Vom Horror der Kunst

Kuratorin: Eva Maria Stadler
KünstlerInnen: Dirk Bell, André Butzer, Stan Douglas, Brock Enright, Jeanne Faust, Cameron Jamie, Andreas Hofer, Jutta Koether, Steven Parrino, Markus Schinwald, Jean Luc Verna

Grazer Kunstverein, 26. September 2003

Koproduktion Grazer Kunstverein , steirischer herbst

 

Mit dem Bezug auf Strategien des Horrorfilms aktivieren Theoretiker, Künstler, Musiker, Theaterleute ein spezifisches Medium, das nicht auf grund seiner genrespezifischen oder ikonographischen Qualitäten von Interesse zu sein scheint, vielmehr rücken sie Motive in den Vordergrund, die das Gespenstische und Abgründige vielfach da orten, wo das Reale faßbar und kontrollierbar zu sein scheint.
Hardt/Negri sehen in der‚ unendlichen Variation der Beziehungen zwischen Seinsweisen und Machtsegmenten eine Verschiebung von bemessenen kontrollierten Wertmaßstäben in ein Feld des Unermesslichen, ein Feld außerhalb des Maßes’. Mit der Überschreitung und Ausdehnung von Grenzen, gehen Unbestimmtheiten einher, die in gängigen Ordnungen nicht zugelassen werden. Nun geht es aber nicht darum, die Mechanismen von Ordnungen und Machtstrukturen offen zulegen, und damit Wahrheiten zu behaupten, vielmehr werden Situationen und Wirkungen herbeigeführt, die unvorhersehbar, nicht kontrollierbar sind. Dabei soll keine neue Ordnung entstehen, sondern ein performativer Prozess in Gang gesetzt werden, der um mit Antonin Artaud zu sprechen, eine „Knechtung der Aufmerksamkeit“ bedeutet. Im Hier und Jetzt der Auseinandersetzung geht es darum, dem „Gespenstischen im Gesellschaftlichen ins Auge zu sehen, wie es von Derrida gefordert wird.

Während Moralpaniken und "Politiken der alltäglichen Angst", die Brian Massumi als typisch für die spätkapitalistischen Subjektivierungsformen beschrieben hat, vor allem reflexhaft agieren -ob es gegen "gewaltverherrlichende" Bilder, für den Frieden, oder um den großen Durchblick geht, wo die Kraft der Behauptung stets in der scheinbar unmittelbaren Evidenz des Aufdeckens von Interessen und Zusammenhängen liegt – besteht das Potential der klassischen Überschreitungsgenres nämlich Melodram, Horror und Pornographieim transversalen Umgang mit verschiedenen Darstellungsebenen, normalen, imaginären und gespenstischen. Nicht die Verdrängungsarbeit, die eingewachsen ist in die Bildproduktion der Imagination, der grausig-großartigen Angst vor den Affekten, sondern das Flechtwerk an Beziehungen, Verdichtungen und Verneinungen fordert die permanente Krise, den permanenten Diskurs.
Dabei stellt die Selbstreferenz, die in den Filmen eines Mike Figgis oder in den Arbeiten von Jeanne Faust oder Stan Douglas oftmals mit der Reflexion des eigenen Mediums und der eigenen Produktionsbedingungen zu tage tritt, eine wesentliche Strategie dar, um die jeweils eigene Involviertheit in gesellschaftlichen Gewaltverhältnisse zu benennen.

Grazer Kunstverei

 

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