Esther Stocker
Wandarbeit Nummer 6, Mariahilferstr. 4, Graz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright: Landesmuseum Joanneum Graz

Fotos: Nicolas Lackner

 

Esther Stocker
Wandarbeit Nummer 6, Mariahilferstr. 4, Graz

Esther Stocker
Wandarbeit Nummer 6, Mariahilferstr. 4, Graz

Die Südtiroler Künstlerin Esther Stocker entwickelt ihre Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung und ihren Grenzen in den 1990er Jahren, Jahrzehnte nach den markanten Zeugnissen von Ungegenständlichkeit der klassisch-modernen Tradition. Kognitionspsychologische Überlegungen zum Sehen fließen direkt und bewusst in ihre Arbeit ein. In ihren frühen Arbeiten werden Gesichter durch Ausschnitt, Unschärfe und Rasterung an die Grenzen des Bedeutungsfeldes gedrängt. Das Fließen und das Nicht-Verankerbare sind Hauptmotive ihrer Arbeit. Ihr Bezug zur klassischen Moderne kann daher ganz ähnlich dem von zeitgenössischen Architekten wie etwa Toyo Ito gesehen werden: Nicht einfach dieses Programm weiterzuführen, sondern dort jene Stellen zu suchen, an denen sich alles im Fluss befindet und noch nicht zu einer Formensprache festgefroren ist.
Ungegenständlichkeit ist bei Stocker nicht als Reduktionsprozess zu begreifen, an dessen Ende man große Klarheit findet, sondern als Freiraum für immer neue Versuchsanordnungen am Rande des Zusammenbruchs.
Ihre formalen Mittel scheinen nur an der Oberfläche klar: Beschränkung durch die Farben Schwarz und Weiß, Wiederholung derselben Formen im Bild und eine geometrische Rasterhaftigkeit, bei der Anordnung und kaum sichtbare Variationen vorgebliche Stabilität aber wieder und wieder zum Einsturz bringen.

In: Peter Pakesch (Hg.): Einbildung – Wahrnehmen in der Kunst. (Ausstellungskatalog Kunsthaus Graz 2003), Graz 2003

 

Fotos: crew8020

Copyright: Landesmuseum Joanneum Graz

Fotos: Nicolas Lackner